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Geförderte Projekte – Kinder- und Jugendbildung

Schulprojekt: Zu Fuß nach Italien

Die Fünfte Klasse der freien Waldorfschule Weilheim/ Huglfing wandert mit Ihrer Klassenlehrerin über die Alpen. Ein Projektbericht über eine Transalp der besonderen Art.

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September 2018: Schon beim ersten Elternabend der ersten Klasse spricht unsere Klassenlehrerin Cäcilia Czogalla-Peter von der Idee einer langen Wanderung. Der Schulstart ist nämlich der Beginn einer langen Beziehung zwischen Schüler*innen, Lehrerin und uns Eltern, denn in der Waldorfschule betreuen die Klassenlehrer*innen ihre Schüler die ersten acht Jahre lang auf Ihrem Lebensweg. Alle sind sich einig, wir gehen diesen Weg gemeinsam und das Projekt „Alpenüberquerung in Etappen“ steht sinnbildlich dafür.

Wir starten „vor der Haustüre“ also direkt vor der Klassenzimmertüre in Huglfing und gehen zu Fuß zum Gardasee. Immer wieder brechen wir auf, wandern ein Stück und gehen jedes Mal dort weiter, wo wir zuletzt angekommen sind. Eben acht Jahre lang. In dieser Zeit entwickeln sich die Kinder mit ihrer Lehrerin nicht nur im Klassenzimmer, körperlich, sozial und schulisch weiter. Nein, sie gehen tatsächlich gemeinsam einen langen Weg, der immer anspruchsvoller wird, und so auch ihre Entwicklung und ihr gemeinsames Wachsen versinnbildlicht. Von der Schule aus geht es los, Richtung Süden, den Bergen zu. Das Alpenvorland ist noch flach. Wir wandern über schöne Wiesen, entlang eines lieblichen Baches und durch Wälder bis zum nächsten Ort. Genug für heute. Es war ein langer, spannender Tag für unsere Erstklässler.

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Anfang der zweiten Klasse geht es mit dem Zug nach Uffing, dem Ort, wo wir das letzte Mal angekommen sind. Heute geht es noch ohne viele Höhenmeter durch die Moorgebiete südwestlich von Murnau. Die Kinder wandern fleißig und es bleibt genug Zeit und Ruhe die Schönheiten der Natur am Wegesrand wahrzunehmen. So kommen wir den Bergen rasch näher und am zweiten Wandertag in diesem Schuljahr überschreiten wir bereits alle drei Hörnle-Gipfel. Ein erhebendes Gefühl für die Kinder! Am Abend in Unterammergau sind alle mächtig stolz - und müde.

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In der dritten und vierten Klasse geht es über den Pürschling nach Schloss Linderhof im Graswangtal und weiter durch das Ammergebirge bis an die österreichische Grenze in Griesen. In einer engen Klamm lernen wir die Kraft des Wassers kennen und erkennen, wo die Natur und wie wir Menschen die Landschaft geformt haben. Wir erleben die Natur in allen Jahreszeiten; bei Sonnenschein brauchen wir Sonnencreme und laufen auch mal barfuß. Wir sind aber auch an trüben Tagen mit Regen unterwegs und lernen so mit dem Wetter in den Bergen umzugehen. Umgeben vom mächtigen Panorama der Zugspitze geht es vom Eibsee über die Hochthörlehütte weiter nach Ehrwald und Biberwier.
Die Etappen werden länger und anstrengender. Die Kinder erkennen Ihre Stärken und Schwächen und lernen sich gegenseitig zu unterstützen. Auch für uns begleitende Eltern ist das eine sehr spannende, herausfordernde Erfahrung.
Die Trittsicherheit wird immer besser und alle bewegen sich wesentlich sicherer im Gelände. Die Kinder üben sich zu orientieren und Gefahrenstellen zu erkennen. An einer exponierten Stelle bauen wir ein Geländerseil auf – für viele die erste Erfahrung mit alpiner Seiltechnik.

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Bislang konnten wir nach jeder Tagesetappe wieder nach Hause fahren. Am Ende der vierten Klassesind wir nun aber so weit von zu Hause entfernt, dass wir zum ersten Mal auf einer Hütte übernachten. Wieder eine neue Erfahrung- was muss da noch alles mit in den Rucksack? Zahnbürste, Kuscheltier, auch ein Schlafanzug? Nein wir nehmen lieber eine Leggins mit, die könnte man am nächsten Tag auch noch anziehen.

September 2022: Mittlerweile sind wir im Inntal angekommen und beim Blick zurück können wir kaum glauben, wie weit wir in den ersten vier Jahren schon gewandert sind. Doch, wenn wir die Gesichter unserer Kinder betrachten, wird uns die Entwicklung bewusst: Aus den, beim Start in Huglfing zarten Erstklässlern wurden über die Jahre nun kritische und wache Fünftklässler.

Die nächste Etappe wird uns Richtung Kühtai und weiter hinein ins Ötztal führen. Dort werden wir die hohen, vereisten Berge erleben dürfen und das im Schulunterricht gelernte Wissen über Gletscher und Gestein vor Ort vertiefen. Die nächste Route ist geplant, die Hütte gebucht, die gesamte Logistik für eine Nacht im Zelt organisiert. Alle sind voller Erwartung und gespannter Vorfreude. Und dann, zwei Tage vor es losgeht, kündigt der Wetterbericht einen Kälteeinbruch mit Schnee und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt an. Wir können nicht los und müssen zu Hause bleiben, bis im kommenden Jahr der Schnee geschmolzen sein wird. Verzichten müssen und geduldig sein – auch das sind wichtige Erfahrungen, die uns unser Weg über die Alpen ermöglicht.

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Das Projekt wird ehrenamtlich umgesetzt von der Elternschaft der Klasse und wurde 2022 unterstützt von der AvD- Stiftung.

Text: Julia und Michij Kugelmann